
Ich habe hier eine Weile nichts von mir hören lassen. Teilweise Technik, teilweise schlicht zu viel Material zum Beobachten – und gelegentlich auch zum Kopfschütteln.
In Bayern waren kürzlich Kommunalwahlen. Und wie es inzwischen zum politischen Mindeststandard gehört: Schmutzkampagnen. In München hat es den noch amtierenden Oberbürgermeister erwischt; der muss nun ernsthaft um seinen Job bangen. Die Alternative wirkt zwar auch nur bedingt überzeugend, aber Hand aufs Herz: Wer bekommt heute schon genau das, was er sich politisch bestellt hat?
Interessanter ist ohnehin etwas anderes: das Ehrenamt. Ein Begriff, der erstaunlich flexibel interpretiert wird.
Es gibt noch die klassische Variante: Menschen, die etwas ehrenamtlich tun, weil sie einen guten Zweck sehen. Unentgeltlich. Sachlich. Ohne große Inszenierung. Man erkennt sie daran, dass sie selten darüber sprechen.
Dann gibt es die zweite Kategorie:
Ehrenamt als Karriererampe. Prestige für die Vita, Netzwerkpflege, politisches Vorfeldtraining. Formal immer noch Ehrenamt – strategisch allerdings eher eine Investition.
Und schließlich die dritte Gruppe.
Die haben das System so gründlich verstanden, dass am Ende doch Geld fließt.
Mein Fazit:
Das Ehrenamt ist eine feine Sache – solange man noch weiß, warum man es macht. Wer helfen will, hilft. Wer Karriere machen will, nennt es Ehrenamt. Und wer Geld verdienen will, findet erstaunlich oft einen Weg.
Ich persönlich habe eine gewisse Schwäche für die erste Kategorie.
Die ist selten spektakulär, aber erstaunlich stabil – und, wenn ich ehrlich bin, vermutlich auch die einzige, die den Namen wirklich verdient.